Warum ein Netzwerk gegen Gewalt?
Die Gewaltkriminalität junger Menschen steht seit Jahren im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen und medialer Berichterstattung. Einerseits finden Einzelfälle exzessiver Gewaltausübung sehr schnell den Weg in die Medien, oft genug verbunden mit scheinbar erfolgversprechenden Patentrezepten, wie derartiges Verhalten zukünftig verhindert werden könne. Anderseits erleben viele Kinder und Jugendliche in Schule und Freizeit belastende Situationen körperlicher und seelischer Gewalt. Mobbing, Ausgrenzung, Beleidigung, aber auch Körperverletzung, Erpressung und Raub sind nicht bloß Einzelfälle und können Kinder und Jugendliche sehr stark beeinträchtigen.
Für viele Kinder und Jugendliche ist Gewalt inzwischen ein erprobtes Mittel zur Durchsetzung eigener Bedürfnisse geworden. Sind steigende Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik Ausdruck einer steigenden Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen oder sind sie "nur" das Ergebnis genaueren Hinschauens, einer erhöhten Anzeigebereitschaft? Zeigen sie die zurückgehende Fähigkeit der Menschen, Konflikte des Alltags selbst, d.h. ohne staatliches Eingreifen, gewaltfrei zu lösen? Besteht die Gefahr, dass junge Menschen, die selbst Opfer von Gewalt wurden, Gewalt als Mittel zur Durchsetzung eigener Ziele akzeptieren und erlernen?
 

Eindimensionale Erklärungen für Gewalt und Gewaltkriminalität taugen nicht. Das Risiko für aggressives und gewalttätiges Verhalten erhöht sich Erkenntnissen der Wissenschaft, wenn mehrere belastende Faktoren zusammentreffen und über einen längeren Zeitraum andauern.

Gewaltbegünstigende Faktoren sind u.a.:
  • Gewalterfahrungen in der Familie (Gewalt als Mittel der Erziehung)
  • Kontakt zu gewalttätigen Gleichaltrigen (peer group)
  • zeitliche und inhaltlich unangemessener Medienkonsum, insbesondere der Konsum nicht altersgerechter gewalthaltiger Filme und Computerspiele
  • ungünstige Wohn- und Lebensbedingungen
  • Nichtwahrnehmbarkeit oder Fehlen der Sozialkontrolle (Gewalttätigkeit wird nicht sanktioniert)

Gewalt, die durch junge Menschen ausgeübt wird, ist immer im Kontext ihrer lebensweltlichen Bedingungen zu betrachten. Insofern kommt in der Gewaltprävention den Institutionen und Einrichtungen besondere Bedeutung zu, die sich mit der Ausbildung, Erziehung und Förderung junger Menschen befassen. Schule als Einrichtung, die sich mit Ausbildung und Erziehung von jungen Menschen befasst, nimmt neben dem Elternhaus eine zentrale Stelle ein.

Exzessive Gewaltausbrüche mit tödlichem Ausgang, wie Suizide oder Amoktaten, sind an Schulen und generell sehr seltene Ereignisse. Zum Schulalltag jedoch gehören – und das gilt für viele Schülerinnen und Schüler inzwischen als "normal" – Mobbing, Raufereien, Beleidigungen und ein generell rüder Umgangston. Opfer dieser Gewalttätigkeiten laufen Gefahr, Gewalt als geeignetes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen zu lernen.

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