"Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre." Ein interaktives Theaterstück zur Ehrgewalt

Ehrgewalt ein Thema bei uns in Hessen? Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist sehr geringe Fallzahlen zu Zwangsheirat auf, die zur Ehrgewalt zählt. Innerhalb der letzten drei Jahre wurden in Hessen zwischen fünf und sieben Fälle polizeilich erfasst. Das Dunkelfeld jedoch ist groß. Was aber konkret ist Ehrgewalt, wie tritt sie in Erscheinung, welche Möglichkeiten der Prävention und Intervention gibt es?

"Mein Leben.Meine Liebe. Meine Ehre."

Mein Leben.Meine Liebe. Meine Ehre.

Ehrgewalt ein Thema  bei uns in Hessen?  Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist sehr geringe Fallzahlen zu Zwangsheirat auf, die  zur Ehrgewalt zählt. Innerhalb der letzten drei Jahre wurden in Hessen zwischen fünf und sieben Fälle polizeilich erfasst.  Das Dunkelfeld jedoch ist  groß. Was aber konkret ist Ehrgewalt, wie tritt sie in Erscheinung, welche Möglichkeiten der Prävention und Intervention gibt es?

Mehr als 700 hessische Schülerinnen und Schüler setzten sich mit dieser Problematik beim Besuch des Theaterstücks „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre.“ auseinander. Es wurde 2014 als Gemeinschaftsproduktion von der Frauenrechtorganisation TERRE DES FEMMES mit der Theatergruppe „Mensch Theater!“ und der Beratungsstelle „Yasemin“ entwickelt. Beim Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2014“ wurde es als ein Preisträger ausgezeichnet. Zielgruppen sind die Klassen 6-13. Das Hauptziel ist junge Menschen in ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Weg zu stärken, für kulturelle Unterschiede im Alltag der jungen Menschen zu sensibilisieren. Das Hessische Kultusministerium zusammen mit dem Netzwerk gegen Gewalt finanzierte das Projekt, das von Juni bis September 2017 an insgesamt zehn hessischen Schulen zur Aufführung kam. Zum Theaterstück werden für die Vor-und Nachbereitung Unterrichtsmaterialien angeboten: http://www.frauenrechte.de/online/images/downloads/ehrgewalt/Begleitmate...

Das Interesse der Schulen  an  dem einstündigen interaktiven Theaterstück war groß. Es bot Schülern und Schülerinnen die Gelegenheit sich mit Themen wie Zwang zur Jungfräulichkeit, Ächtung von Homosexualität, Zwangsverheiratung, Verbot von Liebesbeziehungen, Geschlechterrollen im Zusammenhang mit dem Begriff Ehre auseinanderzusetzen. Die gesamte Aufführung war geprägt vom Spiel, dem Gespräch zwischen Schauspielerinnen und Schauspielern mit den Klassen und einer aktiven Beteiligung dieser. Die Konflikte werden in Szenen aus dem Umfeld der Jugendlichen dargestellt. In die Gestaltung der Szenen werden die Schülerinnen und Schüler einbezogen. Es gilt Lösungsoptionen zu entwickeln und darzustellen, eine Möglichkeit der aktiven Beteiligung, und interessante Lösungsvorschläge der Jugendlichen zeigten. Den Aufführungen schlossen sich 90-minütige Workshops an (gemischt und nach Geschlechtern getrennt), um das Gesehene aufzuarbeiten, zu vertiefen sowie über Möglichkeiten der Unterstützung zu erfahren. In Offenbach bot auch das Gleichstellungsprojekt „HERoes“ www.drk-of.de/angebote/kinderjugendliche/heroes.html eine Arbeitsgruppe an. Begleitet wurden alle Aufführungen von der Darmstädter Beratungsstelle Mäander.

Kultusminister Lorz, der die Aufführung am 01.09.17 in Offenbach besuchte, lobte den kreativen Beitrag zur Gewaltprävention und betonte wie wirksam solche Projekte seien. Er wies auch auf die besondere Rolle der Schulen im Hinblick auf die Prävention hin. Die Schule stellt für die betroffenen Jugendlichen eine Art Schutzraum dar, wo sie der Kontrolle der Familie ein stückweit entzogen sind. Sie haben die Möglichkeit sich gegenüber Lehrkräften und Mitschülern zu öffnen und ihre Probleme anzusprechen. So kann Schule eine erste Anlaufstelle zur Krisenbewältigung sein.

Hinweise, Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten und zu Ehrgewalt finden sich in dem Leitfaden „Gewalt im Namen der Ehre. Hinsehen. Handeln. Helfen.“, der vom Netzwerk gegen Gewalt 2017 herausgegeben wurde. Gemeinsam mit Unterrichtsmaterialien ist die Broschüre erhältlich unter www.netzwerk-gegen-gewalt.hessen.de oder über die Regionalen Geschäftsstellen sowie die Zentrale Geschäftsstelle ngg@hmdis.hessen.de kostenfrei zu beziehen. Für (potenziell) Betroffene ab 12 Jahren ist ein Flyer zum Thema Zwangsheirat erhältlich.

Das Netzwerk gegen Gewalt versteht die Kofinanzierung des Theaterstücks als einen weiteren Baustein in einem Netzwerk gegen Ehrgewalt, der sowohl die Prävention als auch die Intervention einschließt. Nur in einem konstruktiven Miteinander lassen sich Fortschritte gegen die Ehrgewalt erzielen.

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