„Verhalten-Vorgehen-Vernetzen. Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“

Sexualisierte Gewalt im Bereich Kinder und Jugendliche ist ein sensibles und immer noch tabuisiertes Thema. Was ist zu tun? Was können wir tun? Mit diesen Fragen setzten sich ca. 120 Teilnehmende aus Schule, Polizei, Justiz, Beratungsstellen, Sozialarbeit, Jugendhilfe nach auf der Fachtagung „Verhalten-Vorgehen-Vernetzen. Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“ am 29.10.2018 in Wiesbaden-Naurod, Wilhelm-Kempf-Haus, auseinander.

Verhalten. Vorgehen.Vernetzen. 29.10.18

Fachtagung 29.10.18

Dass es sich um ein immer noch aktuelles Thema handelt, wurde sowohl im Vortrag, in den Workshops deutlich, als auch an dem großen Interesse. Es war bereits die zweite Fachtagung zu diesem Thema.

Eine fast inhaltsgleiche Veranstaltung fand im Februar mit 180 Teilnehmenden in Frankfurt statt und war 3 Wochen vor Anmeldeschluss ausgebucht. Das Schultheater eröffnete mit einer Szene aus dem Theaterstück „TRAU DICH!“ die Tagung und führte in die Thematik ein.

Grußwort HKM 29.10.18

In seinem Grußwort für das Hessische Kultusministerium gab Herr Ministerialdirigent Wolfgang Heimer einen Überblick über die Maßnahmen des Kultusministeriums im Bereich Prävention und Intervention an Schulen (vollständiger Redebeitrag s. unten). Beispielhaft zu erwähnen ist die Beteiligung an der bundesweiten Initiative des Unabhängigen Beauftragten gegen sex. Missbrauch: „Schule gegen sexuellen Missbrauch“, die Förderung der Umsetzung der bundesweiten Kampagne „Trau Dich!“ durch Erwerb der Rechte und finanzielle Beteiligung sowie die Qualifizierung von Ansprechpersonen für sexuellen Missbrauch an Schulen und die Beauftragung zur Durchführung der bundesweit einmaligen SPEAk-Studie.

Fachtagung 29.10.18 SPEAK-Studie

In ihrem Vortrag erläuterte Frau Prof. Maschke, Philipps-Universität Marburg, die Ergebnisse der SPEAK-Studie, die zusammen mit der Justus-Liebig-Universität Gießen von 2016-2018 in 53 Haupt-, Real- und Gesamtschulen und Gymnasien (2.719 Schüler/innen der Jahrgänge 9 und 10) und in 30 Förderschulen (248 Schüler/innen) durchgeführt wurde. Ziel dieser Dunkelfeldstudie war, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie häufig sexualisierte Gewalt vorkommt, wer unter welchen Bedingungen zum Ziel sexueller Gewalt wird, wo sexuelle Gewalt verübt wird, wie sich ihr Auftreten erklären lässt und welche Folgen sexuelle Gewalt für die Betroffenen hat. Einige wichtige Erkenntnisse der Untersuchung sind: Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen hat Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Sexualisierte Gewalt findet am häufigsten unter Gleichaltrigen (Peers) statt. Sexualisierte Gewalt unter Peers stellt eine „everyday violence“ dar. Diese Erfahrungen haben Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche.  Die Ergebnisse der Befragungen in Förderschulen zeigten häufig eine höhere Prävalenz sexueller Gewalt. Weitere Informationen http://www.speak-studie.de/presse.html

Dem Vortrag schlossen sich nach einer Mittagspause 5 Workshops zu den folgenden Themen an, die von Moderatoren und Moderatorinnen aus unterschiedlichen Bereichen geleitet wurden: Schutzkonzepte in pädagogischen Einrichtungen (Nikola Poitzmann, Karin Planz, Gewaltprävention und Demokratielernen), Sex. Gewalt in und durch digitale Medien (Ann Kristin Alsoufi, pro familia Ortsverband Frankfurt).; Sexuelle Gewalt gegen Jungen (Kai Kabs-Ballbach, LAG-Jungenarbeit Baden-Württemberg e.V.); Sexualisierte Gewalt unter Kindern und Jugendlichen – schulische Interventionsmöglichkeiten (Barbara Behnen, Wildwasser Gießen e. V.); Ambivalenz von Kindeswohl und Strafverfolgung (Dagmar Freudenberg, Göttingen). In einer Abschlussrunde wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt (s. Bildergalerie).

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