Darknet - Die dunkle Seite des Internets - Fluch oder Segen?

Der Einladung der „Interessengemeinschaft Medienprävention im Lahn-Dill-Kreis“ zum Fachnachmittag „Darknet – die dunkle Seite des Internets“ waren am Donnerstag, dem 01. Juni 2017, 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Kreistagssitzungsaal des Lahn-Dill-Kreises gefolgt.

Gegründet hat sich die Interessengemeinschaft auf Initiative der Regionalen Geschäftsstelle Mittelhessen des Netzwerks gegen Gewalt Anfang 2016. Gemeinsames Ziel der Interessengemeinschaft ist es Medienkompetenz in der Region zu fördern.

Vertreten in der noch jungen Interessengemeinschaft sind:

  • der Lahn-Dill-Kreis, Kreispräventionsrat,
  • die Stadt Wetzlar, Präventionskommission,
  • die Koordinierungsstelle Gewaltprävention am Staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und Limburg-Weilburg,
  • das Polizeipräsidium Mittelhessen, Polizeidirektion Lahn-Dill und
  • das Netzwerk gegen Gewalt, Regionale Geschäftsstelle Mittelhessen.

Den Vorsitz der Interessengemeinschaft hat der Geschäftsführer des Kreispräventionsrates Lahn-Dill-Kreis, Matthias Holler übernommen.

Mit der Veranstaltung „Darknet“ leistete die Interessengemeinschaft einen ersten Beitrag zur Förderung der Medienkompetenz in der Region. Weitere Veranstaltungen sind geplant und sollen sich im Sinne von „Bürgerbeteiligung“ an den Wünschen der Bürger orientieren. Hierzu hatte die Interessengemeinschaft „Themenboxen“ zur Abgabe von Themenvorschlägen aufgestellt.

Als  Referenten konnten gewonnen werden:

  • Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der  Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und
  • Kriminalhauptkommissar Dirk Hintermeier, Internetprävention Polizeipräsidium Mittelhessen

Die Moderation des Fachnachmittages erfolgte durch den Geschäftsführer des Kreispräventionsrates Lahn-Dill-Kreis Matthias Holler.

Nach der Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch

  • Herrn Aurand, Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises
  • Herrn Semler, Bürgermeister der Stadt Wetzlar
  • Herrn Bernard, Leiter der Regionalen Kriminalinspektion Lahn-Dill

leitete Matthias Holler mit einem kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Interessengemeinschaft zu dem fachlichen Teil der Veranstaltung über in dem sich mitunter den Fragen

  • „Was ist das Darknet?“
  • „Wer nutzt es?“
  • „Für welche Aktivitäten wird es genutzt?

gewidmet wurde.

Warum das Thema Darknet in der heutigen Mediengesellschaft auch im Rahmen der Prävention Beachtung finden muss, erläuterte Oberstaatsanwalt Ungefuk anhand der Aktivitäten eines 17-jährigen Jugendlichen. Dieser hatte ein kriminelles „marktwirtschaftliches  Unternehmen“ mit Online-Drogenhandel aufgebaut und firmierte unter dem Namen „Shiny Flakes“. Ohne sein Kinderzimmer zu verlassen, ohne Kontrolle und Wahrnehmung der Eltern betrieb er sein „Unternehmen“ aus seinem Zimmer heraus. Die nötige Infrastruktur hierzu stellten ihm Internet und Darknet zur Verfügung.

Das Darknet selbst beschrieb Oberstaatsanwalt Ungefuk als besonders abgeschottete Bereiche des Internets, die nur mit spezieller Software erreicht und genutzt werden können. Der überwiegende Teil des Darknets ist über das „Tor-Netzwerk“ mit dem „Tor-Browser“ zu erreichen. Der „Tor-Browser“ arbeitet wie eine Tarnkappe, anonymisiert/verschlüsselt den Datenverkehr und verschleiert die eigene IP-Adresse. Das „Tor-Netzwerk“ steht für anonyme/verschlüsselte Kommunikation.

Das Darknet weist zwei Seiten auf. In einigen Staaten oder Regimen nutzen es Menschen um staatlicher Verfolgung zu entgehen bzw.

  • unentdeckt zu kommunizieren,
  • zu arbeiten oder
  • Aufgaben zu erledigen.

Existent im Darknet sind aber auch sogenannte „Hidden Services“, Markplätze/Handelsplätze, die nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen organisiert und wie die uns bekannten „Online-Versandhändler“ und „Auktionsplattformen“ optisch aufgebaut sind.

Angeboten werden hier aber nicht die handelsüblichen Güter wie Elektronikwaren, Bekleidung etc. Güter sind hier Drogen, Waffen, gefälschte Dokumente und „Dienstleistungen“, wie das Bereitstellen einer konspirativen Wohnung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alles was illegal ist. bzw. alles wozu man sich im normalen Leben im „dunklen“, illegalen Raum bewegen muss im Darknet zu finden ist. Als Zahlungssysteme dienen virtuelle Währungen, wie “Bitcoin“(BTC).

Neben statistischen Daten im Zusammenhang mit „Cybercrimedelikten“ erläuterte  Kriminalhauptkommissar Dirk Hintermeier in seinem Vortrag auf welche Hürden die Ermittlungsbehörden durch das Darknet und den damit verbundenen anonymisierten Daten stoßen. Anhand des „Eisbergmodells“ veranschaulichte Dirk Hintermeier,  dass das Darknet ein Teil des Eisberges unter der Wasseroberfläche ist, der als „Deep Web“ bezeichnet wird. Die Spitze des Eisberges über der Wasseroberfläche stelle den Bereich des Internets dar, das über die „üblichen“ Zugangswege erreichbar ist. Zu den Zahlungssystemen im Darknet führte er aus, dass man sich virtuelle „Währungen“ zu Nutze mache, welche wie das Darknet selbst,  Anonymität gewährleisten und weltweit Verwendung finden. Die gängigste virtuelle Währung derzeit ist der Bitcoin. Der Bitcoin wird elektronisch mittels Computer in einem komplizierten Verfahren geschaffen und verwahrt. Sein Wert liegt derzeit bei über 2000,- €. Der Bitcoin selbst unterliegt keinerlei Banken- oder Staatsaufsicht. Existent ist lediglich ein „Bitcoin-Kassenbuch“, der Blockchain. Hier werden alle Bitcoin-Transaktionen in einem aufwendigen Verfahren dokumentiert.

Der Fachnachmittag wurde durch „hessencam“ aufgezeichnet und ist auf dem Online-Videoportal „YouTube“ abrufbar unter den Titeln:

  • Grußworte zur Veranstaltung „Darknet – Das dunkle Internet“
  • Das Darknet – Phänomene und Entwicklungen
  • Das Darknet – Fluch oder Segen

Hierfür ein Dankeschön an Herrn Schäfer, hessencam.

@Dirk Zettner, Regionale Geschäftsstelle Mittelhessen Netzwerk gegen Gewalt

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