Erfolgreiche Ansätze zur Prävention interkultureller Konflikte unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen für Kinder und Jugendliche nach Fluchterfahrungen

Ungefähr ein Drittel aller nach Deutschland geflüchteter Menschen sind Kinder und Jugendliche. Diese Altersspanne betrifft auch die Entwicklungsphase der Adoleszenz, ein Lebensabschnitt, der bei allen Jugendlichen durch Umbrüche gekennzeichnet ist. Die schwierigen Lebenslagen bedeuten für geflüchtete Jugendliche und das soziale Umfeld eine zusätzliche große Herausforderung. In Hessen wurden für geflüchtete Kinder und Jugendliche viele unterschiedliche Maßnahmen entwickelt und durchgeführt.

Ungefähr ein Drittel aller nach Deutschland geflüchteter Menschen sind Kinder und Jugendliche. Diese Altersspanne betrifft auch die Entwicklungsphase der Adoleszenz, ein Lebensabschnitt, der bei allen Jugendlichen durch Umbrüche gekennzeichnet ist.
Die schwierigen Lebenslagen der jungen geflüchteten Menschen bedeuten für sie und das soziale Umfeld eine große Herausforderung. Zu den zahlreichen Belastungen im Alltag, die bewältigt werden müssen, gehören auch Fluchterfahrungen, oft verbunden mit Viktimisierung und Traumatisierung. Mit dem Aufenthalt in Deutschland verbinden sich Ziele, Hoffnungen und Wünsche. Nicht nur Schule, Jugendhilfe, Polizei, Justiz und Kommunen, sondern auch Vereine sind gefordert, passende Angebote zu entwickeln. Ein wichtiges Ziel ist, potentiellen und bestehenden Risikofaktoren erfolgreich durch den Aufbau von Schutzfaktoren zu begegnen, vorhandene Stärken und Resilienz zu nutzen, um den Prozess der Integration zu unterstützen. Zugleich sollen auch Diskriminierung und Stigmatisierung verhindert und Optionen der interkulturellen Konfliktbewältigung angeboten werden.
Auch in Hessen wurden für geflüchtete Kinder und Jugendliche viele unterschiedliche Maßnahmen entwickelt und durchgeführt. Diese Fachtagung wollte einige Good-Practice Beispiele vorstellen und Anstöße für die weitere Arbeit geben. Dies erfolgte durch zwei Vorträge am Vormittag und die Teilnahme an zwei Workshops am Nachmittag. Ein Markt der Möglichkeiten bot einen Einblick in die regionale Präventionsarbeit in Nordhessen, vertreten durch „Fachberatung Amani“ (Fachberatungsstelle gegen sogenannte Gewalt im Namen der Ehre, Zwangsheirat und weibliche Genitalverstümmelung, „Sozialer Friedensdienst e.V., Kassel“ „Bildungsstätte Anne Frank, Büro Kassel“ und der Verein RESPEKT e.V. Der interaktive Ansatz der Ausstellung YOUNIWORTH des Jugendmigrationsdienstes gab Gelegenheit, sich mit einigen Aspekten der Problematik junger Geflüchteter intensiver auseinanderzusetzen.
Insgesamt nahmen 75 Personen aus den Bereichen Schule, Polizei, Sozialarbeit, Jugendhilfe und Kommune an der Fachtagung teil.

In ihrem Grußwort ging die Bischöfin der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Frau Dr. Beate Hofmann auf die Bedeutung der Problematik nicht nur für die kirchliche Arbeit ein, sondern verwies auf Gemeinsamkeiten und bestehende Kooperationen zwischen den nicht kirchlichen und den kirchlichen Einrichtungen in dieser Arbeit.

Bischöfin Beate Hofmann beim Grußwort
Bischöfin Beate Hofmann

Das sich anschließende Grußwort des Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Nordhessen, Herrn Konrad Stelzenbach, erläuterte die vielfältige Präventionsarbeit der Polizei im Bereich Geflüchteter, die auch als Beitrag zur Integration zu verstehen ist. 

Polizeipräsident Konrad Stelzenbach beim Grußwort
Grußwort Polizeipräsident Konrad Stelzenbach

Es folgte die Musikgruppe „SazaYoldasOlanlar“, des Sara-Nussbaum-Zentrum Kassel, unter der Leitung von Attila GunaydinIm mit mehreren Musikstücken zum Thema „Brücken bauen zwischen dir und mir“. Im Ensemble spielen junge Menschen unterschiedlichen Alters, vorwiegend die Saz, das traditionelle Instrument der türkischen Musik. Die Abfolge der Musikstücke war unterbrochen durch Erläuterungen zu den einzelnen Beiträgen. Bei den Komponisten handelte es sich u.a. auch um Personen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt hatten.

Fachtagung 16.09.21, Kassel
Musikgruppe „SazaYoldasOlanlar“

Mit seinem Vortrag „Risiko-und Schutzfaktoren für männliche Geflüchtete-Prävention vs. Stigma“ erläuterte Herr Matthias Kornmann, Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention, Berlin, die Situation junger männlicher Geflüchteter in Deutschland. Er verwies auf die Bedeutung von Sensibilität und Bewusstsein für die Herausforderungen dieser jungen Menschen und zeigte Lösungsoptionen auf.

Matthias Kornmann beim Vortrag
Vortrag Matthias Kornmann


- Präsentation zum Vortrag 

In seinem Referat „Kontakt hilft- fast immer“ erklärte Herr Prof. Ulrich Wagner, Universität Marburg, die Kontakttheorie. Er stellte sie als eine wirksame Möglichkeit zur Intervention bei Fremdenfeindlichkeit bzw. Diskriminierung dar und beschrieb vorstellbare Einsatzoptionen dieser Maßnahme.

Prof. Wagner beim Vortrag
Prof. Ulrich Wagner

- Text zum Vortrag 

In beiden Beiträgen wurde die Bedeutung der Sprachkompetenz deutlich, was auf die Relevanz derzeitiger schulischer Fördermaßnahmen verweist.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, jeweils zwei von fünf der angebotenen Workshops zu besuchen, um hessenweite Präventionsansätze kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.

Workshops

WS 1 - Interkulturelle Konflikte in Kitas: Welchen Beitrag kultur- und vorurteilsbewusstes pädagogisches Handeln leisten kann
Leitung: Katharina Hepke (Master of Public Health) ist Programmleitung bei Papilio gGmbH, Bereich Integration und kultursensitive Pädagogik.
Werden in der Kita Kinder mit Fluchtgeschichte betreut, stehen pädagogische Fachkräfte oft vor besonderen Herausforderungen. Denn interkulturelle Konflikte spielen dort auf verschiedenen Ebenen eine wichtige Rolle. Der Workshop zeigte am Beispiel von Papilio-Integration, wie diese interkulturellen Konflikte beeinflusst werden können.

WS 2 - ZAP- Zusammen aktiv präventiv – Nicht zum Opfer von Gewalt im öffentlichen Raum werden - Ein Erfahrungsbericht
Leitung: Astrid Rumpf-Arab, PiT-Programmleitung, Wiesbaden
Johannes Maaser, Universitätsstadt Marburg | Fachdienst Gefahrenabwehr Projektkoordinator & Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Jugendliche und junge Erwachsene erhalten die Möglichkeit, im geschützten Raum ihrer Lern/Wohngruppe, individuelle gewaltfreie Modelle für den Umgang mit gewaltbesetzten Situationen im öffentlichen Raum zu entwickeln. Ziel von ZAP ist es, achtsam und angemessen mit den Teilnehmenden umzugehen und auf deren Bedürfnisse und Erfahrungen mit Gewaltbesetzten Situationen einzugehen. Die wissenschaftliche Evaluierung des Trainings am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg zeigt, dass bei den Teilnehmenden des Programms ein signifikanter Anstieg von Empathie, eine Verbesserung von Konfliktkompetenzen sowie eine positivere Einstellung gegenüber der Polizei zu verzeichnen ist. Die Veränderung der Antworten zwischen den Trainingsgruppen und einer Kontrollgruppe sind statistisch signifikant, also gegen den Zufall abgesichert.
- Präsentation zum Workshop http://file/präsentation-respekt-coaches-kasselfachtag16092021pdf-0

WS 3 -  Jugendkonfliktmanagement im Kontext Migration
Leitung:  Respekt e.V. Kassel

WS 4 - Geschlechterreflektierte Jungenarbeit als Prävention 
Leitung: HeRoes Offenbach
Männliche Jugendliche mit Fluchterfahrung bzw. internationaler Familiengeschichte sind in der Phase Ihrer Identitätsfindung vielen Herausforderungen ausgesetzt: Sie spüren den Druck, problematischen Männlichkeitsbildern gerecht zu werden und erfahren selbst auch Ohnmacht durch Diskriminierungserfahrungen. Verschiedene Intersektionen von Rassismus und Sexismus wurden beleuchtet sowie praktische Ansätze vermittelt, wie eine geschlechterreflektierte Jungenarbeit dazu beitragen kann, gelernte Gewaltformen, wie zum Beispiel Unterdrückung im Namen der Ehre, aktiv zu verlernen.

WS 5 - Respekt! - Mit JMD und Respect Coaches präventiv zusammenarbeiten 
Leitung: Katharina Enters, Jugendmigrationsdienst Kassel, Internationaler Bund Kassel
Bernd Schulz, Jugendmigrationsdienst Kassel, Caritasverband Kassel
In dem Workshop stellten sich JMD und die Respect Coaches mit ihrer Arbeit vor. Mit Input und kurzen interaktiven Übungen erhielten die Workshopteilnehmer*innen einen Einblick in den Alltag von JMD und Respect Coaches sowie deren präventiven Ansätzen.
- Kurz-Präsentation zum Präventionsprogramm Respekt Coaches 

Es bleibt noch viel zu tun, das wurde in der Abschlussrunde und den Rückmeldebögen deutlich. Schwerpunkt der weiteren Themenbearbeitung soll die regionale Netzwerkarbeit sein, ergänzt durch landesweite Maßnahmen.

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