Fachtag "JETZT ERST RECHT!- Demokratie in Schule lernen und leben"

So lautet der Titel des Hanauer Fachtages am 05. Oktober 2017 in der Hohen Landesschule, zu dem das Staatliche Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis (MKK) in Kooperation mit dem Netzwerk gegen Gewalt und der Stabsstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit der Stadt Hanau eingeladen hatte. Damit greift die Veranstaltung das Motto der hessischen Landesregierung „Hessen lebt Respekt" auf.

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Fachtag Demokratie in Schule lernen und leben
Dr. Reiner Becker, Demokratiezentrum im beratungsNetzwerk hessen

„JETZT ERST RECHT! – Demokratie in Schule lernen und leben“

Rund 80 Teilnehmende aus Schulen, Vertreter des Staatlichen Schulamts für den Main-Kinzig-Kreis, Schülervertreter/innen sowie Interessenten aus Jugendhilfe, Beratungsstellen und Polizei folgten der Einladung, so dass ein weit gefächerter Teilnehmerkreis erreicht wurde.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Schulleiterin Sabine Schaetzke richtete die Leiterin des Staatlichen Schulamts für den MKK, Sylvia Ruppel, Grußworte an die Teilnehmenden. In ihrer Ansprache nahm sie Bezug auf die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Tag der deutschen Einheit und betonte die Bedeutung von demokratischen Systemen, in denen die Gemeinschaft, die Verfassung, das Grundgesetz, die Grundrechte der Bürger, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einem friedlichen Zusammenleben in Deutschland beitragen. Die Vermittlung dieser Werte sei ein wesentlicher Auftrag in Schulen. Gerade „jetzt“ kommt es auf eine starke Demokratie an, wie der Bundespräsident am Tag der Deutschen Einheit verdeutlicht habe. Dieser Fachtag sei ein Anfang und weitere Veranstaltungen würden folgen.

Der Bürgermeister der Stadt Hanau, W. Axel Weiss-Thiel, zeigte sich hocherfreut, gerade an seiner ehemaligen Schule ein Grußwort zur Thematik der politischen Bildung sprechen zu können. Er betonte in seiner Rede, dass gerade in einer Stadt wie Hanau mit einer großen Vielfalt von Menschen, die dort lebten, unterschiedliche Kulturen durch demokratische Werte miteinander verbunden werden könnten. Für die Schüler und Schülerinnen in den Hanauer Schulen, die dort mit den unterschiedlichsten kulturellen Voraussetzungen lernen, sei es wichtig, an Demokratie und deren Bedeutung herangeführt zu werden. Der Fachtag sei eine gute Idee, so der Bürgermeister, neue Anregungen für Schulen zu bekommen. Ein gutes Beispiel seien die Juniorbotschafter der Brüder-Grimm-Schule, die sich für die Kinderrechte in der Grundschule einsetzten. In der als kinderfreundliche Kommune ausgezeichneten Stadt Hanau sei die Einhaltung demokratischer Regeln ein wesentliches Merkmal des Zusammenlebens.

Lauten Beifall ernteten die Schüler und Schülerinnen des Kurses „Darstellendes Spiel“ der Hohen Landesschule, die mit ihrer Darbietung „Du hast die Wahl“ in zwei Szenen deutlich machten, was Demokratie für sie bedeutet und dem Publikum am Ende mitgaben: „Es ist ein Privileg, in einer Demokratie zu leben“.

In seinem Vortrag „Die pädagogische Haltung in der Demokratieförderung“ beschäftigte sich Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums im beratungsNetzwerk hessen, Marburg, vor allem mit der Fragestellung, wie es Schulen gelingen kann, ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag gem. § 2 des Hessischen Schulgesetzes erfolgreich umzusetzen. Er zeigte auf, dass die Entwicklung politischer Einstellungen ein Lernprozess sei, den man als politische Sozialisation bezeichnet. Hierbei habe Schule durchaus Einfluss auf die politische Einstellung von Schülerinnen und Schülern, denn Schule sei ein zentraler Teil des Gemeinwesens. Ebenso wie schulische Desintegrationserfahrungen dazu beitragen könnten, dass Schüler und Schülerinnen in extremistische Tendenzen abglitten, könnten durch positive Rollenmodelle und Empathie von Lehrkräften, Partizipationserfahrungen und respektvoller Klassenatmosphäre ein positiver Einfluss geschaffen werden. Auf Jugendliche bezogen bedeute dies, im fraglichen Moment eine Entscheidung zu treffen: „Du bist mir nicht egal“ sei eine zentrale Aussage, in der Haltung als Handlung gezeigt werden kann. Haltung sei, so Becker, immer eine Handlung, eine grundlegende menschliche Bezüglichkeit, die eine Wechselwirkung aus den Bezügen zu Anderen, dem Selbst und der Welt sei. Becker vertritt die Ansicht, dass Haltung sich häufig im Konflikt entwickelt. Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter sollten diese Herausforderungen erkennen und zum Anlass nehmen, sich weiterzuentwickeln. Krisen sollten als Chance begriffen werden, in denen Schulen sich auch Unterstützung von „außen“ holen könnten und sollten. Schule benötige Informationen zur Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten und brauche Vernetzung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Sandra Gentsch (Psychologin am Staatlichen Schulamt Hanau),  diskutierten Dr. Reiner Becker (Leiter des Hess. Demokratiezentrums), Helmolt Rademacher (ehemals Leiter GuD-Projekt; Vorstandsmitglied der DeGeDe), Sonja Student (Vorstandsvorsitzende Makista e.V.), Stefan Prochnow (Leiter des gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichs der Hohen Landesschule) und die Schulsprecher der Hohen Landesschule Yelda Balikci und Finn De Santis u.a. über ihre Erfahrungen zum Thema Demokratielernen in Schule. Damit wurden den Schulen Vertreter von Organisationen vorgestellt, an die sie sich bei weiterem Unterstützungsbedarf wenden können. Gäste aus dem Publikum, darunter die Vorsitzende des Präventionsrats, Anne-Dorothea Stübing, nutzten die Gelegenheit, sich an der Diskussion zu beteiligen.

In den darauf folgenden Workshops wurden Themen wie demokratische Schulentwicklungsprozesse, Kinderrechte, Methoden zur Förderung des demokratischen Miteinanders in Schule, Prozesse der Meinungsbildung im digitalen Zeitalter sowie die Vermittlung von demokratischen Werten wie Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und sozialer Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien aufgegriffen und diskutiert. Die Teilnehmer dokumentierten ihre Ergebnisse sowie Rückmeldungen zum Fachtag in einem Online-Dokument (zumpad.zum.de) der Zentrale für Unterrichtsmaterialien im Internet e.V. (ZUM.de).

Der Fachtag endete mit einem Ausblick auf die folgenden Veranstaltungen:

In der  Zeit vom 01. bis 30. November 2017 ist die Ausstellung "RECHTsaußen - MITTENdrin?“ zum Thema Rechtsextremismus, Erscheinungsformen und Handlungsmöglichkeiten in der Hohen Landesschule in Hanau zu sehen. Interessierte Schulklassen sind herzlich eingeladen.

Für Lehrkräfte und interessierte Eltern bieten die Kooperationspartner Staatliches Schulamt MKK, Regionale Geschäftsstelle Netzwerk gegen Gewalt im PP Südosthessen und Stabsstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit in Hanau am 07. Dezember 2017 von 19:00 bis 22:00 einen Informationsabend zum Thema: „Hate-Speech - Hass ist keine Meinung!“ an. Referentin des Abends wird die Medienpädagogin Alia Pagin sein. Die Veranstaltung findet an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen statt.

Am 11. Dezember 2017 folgt in der kinderfreundlichen Kommune Hanau der dritte Fachtag zum Thema „Kinderrechte“ an der Lindenau-Schule.

Wir freuen uns auf rege Beteiligung an den Veranstaltungen – „Jetzt erst recht!“

Stephanie Padberg, Reg. Geschäftsstelle Netzwerk gegen Gewalt im PP SOH, Dr. Sandra Gentsch und Corinna Künzel, Staatliches Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis, 10.10.2017

Downloads: 

Einladung Demokratie in Schule lernen und leben
Vortrag Reiner Becker "Die pädagogische Haltung in der Demokratieförderung"