Fachtag "Sicher und kompetent im Netz"

Rückschau zum Fachtag am 01.03.2018 in Bad König. 200 Interessierte verfolgten die Beiträge der Referenten Jan Rathje oder Kriminalhauptkommissarin Michaela Schmelzer rund um das Thema "Sicher und kompetent im Netz - Cybergrooming, Sexting, Sextortion - Gefahren in der digitalen Welt.

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Gruppenbild Orga-Team, Referent*innen
Mitglieder aus dem Arbeitskreis „Gegen sexuellen Missbrauch“ des Odenwaldkreises v.l.n.r: Stefanie Warias, Anja Scheibel, Jan Rathje, Michaela Schmelzer, Ingrid Emig, Martina Schmiegelt, Frank Matiaske, Petra Karg, Gertrud Hemer-Sieverding

Sicher und Kompetent im Netz - Cybergrooming, Sexting, Sextortion - Gefahren in der digitalen Welt
zu diesem Thema lud das Netzwerk gegen Gewalt in Kooperation mit dem Arbeitskreis „Gegen sexuellen Missbrauch“ des Odenwaldkreises am 01.März 2018 in die Wandelhalle nach Bad König ein.
Die Fachveranstaltung richtete sich an sozialpädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte aus Grund-und weiterführenden Schulen, Eltern sowie an alle Interessierten im Odenwaldkreis.

Da rund 200 Teilnehmer*innen der Einladung folgten war der Saal bis auf den letzten Platz belegt.

Übersichtsaufnahme Veranstalungssaal

Landrat Frank Matiaske hob in seiner Begrüßungsrede hervor, wie wichtig es für die Verantwortlichen sei, die Gefahren im Internet zu kennen und anzusprechen, um Kinder und Jugendliche so vor sexuellen Grenzverletzungen zu schützen.

Herr Landrat Matiaske

Im Mittelpunkt der Fachveranstaltung standen die Folgen, die das Versenden von Nacktbildern haben kann. Grundsätzlich sah der Hauptreferent und selbständige Medienpädagoge Jan Rathje zunächst einmal nichts Schlimmes an Sexting. Für Jugendliche stellt Sexting eine zeitgemäße Form dar, um sich erotisch auszuprobieren, Beziehungen zu stiften und zu bestätigen. Ihnen müsse aber bewusst sein, dass sie jegliche Kontrolle über die Bilder verlieren, wenn sie erst einmal über WhatsApp, Snapchat oder Instagram verschickt sind. Jeder, der im Besitz dieser Bilder ist, kann sie nun verbreiten, bearbeiten, kopieren. Rathje verwies auf eine Studie aus Österreich, wonach jede vierte Person bereits freizügige Fotos verschickt habe.
Besonders problematisch sind hingegen Situationen, in denen Täter und Täterinnen gezielt den Kontakt zu Mädchen und Jungen suchen, ihr Vertrauen gewinnen, um so an freizügige Fotos zu kommen, mit denen sie später unter Druck gesetzt werden. Manche nutzen diese Materialien, um das Kind oder den Jugendlichen zu persönlichen Treffen zu zwingen, um sie sexuell zu missbrauchen, sog. Cybergrooming.
Eine weitere Gefahr besteht darin, dass mit der Veröffentlichung des übermittelten Bild- und Videomaterial gedroht wird, sollten Geldforderungen nicht gezahlt werden, sog. Sextortion. Die digitalen Medien bieten Täter und Täterinnen ungestörten und direkten Zugriff auf Kinder und Jugendlichen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Persönliche Daten, die sie über die Profile übermittelt bekommen, können sie für ihre Zwecke nutzen und brauchen hier nur anzusetzen. In der realen Welt hingegen würden die allermeisten Kinder und Jugendlichen Fremden gegenüber keine Informationen über Hobbys, Musik, Freunde preisgeben oder Fotos aushändigen. Das in diesen Situationen vorhandene Misstrauen wird in der digitalen Welt leider oftmals ausgeblendet.

Referent Jan Rathje

„Aufmerksamkeit ist die neue Währung im Internet“, so Rathje.
Mit dem Versenden dieser Fotos versuchen Kinder und Jugendliche Aufmerksamkeit zu erlangen und positive Bestätigung zu erhalten.
Das Bedürfnis, sich zur Show stellen zu wollen, ist unter den Kindern und Jugendlichen enorm hoch. Mit den Folgen zeigte Jan Rathje auf, wie wichtig hier die Aufklärung über die Gefahren in der digitalen Welt ist. Umso wichtiger sei es, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, sie zu loben und ihre Stärken zu fördern. Eltern und Lehrkräfte sollten sich für die „online-Lebenswelt“ der Kinder und Jugendlichen interessieren und sich damit auseinandersetzen, um so ggf. frühzeitig reagieren zu können.
Rathje riet im konkreten Fall Ruhe zu bewahren und besonnen zu handeln. Auf keinen Fall sollte dem Betroffenen eine Mitschuld gegeben werden. Die Schuld liegt in solchen Fällen ausschließlich beim Täter oder der Täterin.
Betroffene müssen in diesen Situation gestärkt werden und Unterstützung erfahren, die auch bei Fachberatungsstellen eingeholt werden kann.

Welche strafrechtlichen Konsequenzen beim Missbrauch digitaler Medien vorliegen können, erläutere die Jugendkoordinatorin der Polizeidirektion Odenwald, KHKin Michaela Schmelzer.
In ihrem Vortrag ging sie auch darauf ein, dass die Fallzahlen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Odenwaldkreis eher gering ausfallen, aber von einem weitaus höheren Dunkelfeld auszugehen ist.

Abschließend stellte sich die Fachberatungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Odenwaldkreises vor, bei der Betroffene Unterstützung und Hilfe erhalten können.In Fortsetzung an diese Veranstaltung wurden für die kommende Woche von der Kinder-und Jugendförderung des Odenwaldkreises noch zwei Workshops für Eltern sowie Kinder und Jugendliche angeboten, um die Thematik weiter zu vertiefen.