Fachtag "On statt out"- Welchen Einfluss nehmen Medien auf die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen?

Welche Bedeutung haben digitale Medien für das Aufwachsen junger Menschen heute? Was ist das Besondere der zunehmenden Sozialisation durch und mit Medien? Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für den einzelnen jungen Menschen und dessen Eltern, für Schule, Medienpädagogik sowie Kinder- und Jugendarbeit? Diesen und anderen Fragen wurde im Rahmen des Fachtages "On statt out" im Ostpol in Offenbach am 16. November 2016 nachgegangen.

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Netzwerk MedienKompetenz in Stadt und Kreis Offenbach
v.l.n.r. Katja Hölscher, Florian Schmidt, Alia Pagin, Beate Kremser, Markus Franz, Pia Praschma, Christian Beek, Stephanie Padberg, Esther Kuhn, Michael Koch, Ingo Köhler

Eingeladen hatte das Netzwerk MedienKompetenz aus Stadt und Kreis Offenbach, Pädagoginnen und Pädagogen aus den Bereichen Schule, Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendarbeit, Präventionsfachkräfte, Schulleitungen, Medienpädagogen, Polizei und Interessierte zu dem Fachtag, der in diesem Jahr in den jährlich stattfindenden Fachtag "Gewalt & Gewaltprävention" des Jugendamtes der Stadt Offenbach eingebettet war. Mit über 140 Teilnehmenden war der Offenbacher Fachtag restlos ausgebucht.

Das Netzwerk MedienKompetenz ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Einrichtungen und Institutionen im Bereich der medienpädagogischen Arbeit mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche. Es wurde 2013 auf Initiative des Netzwerks gegen Gewalt gegründet, um Medienkompetenz für Heran-wachsende, Erwachsene, Multiplikatoren und Interessierte zu vermitteln sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien zu fördern. Die kreative Arbeit sollte dabei im Vordergrund stehen. Im Mai 2015 brachte das Netzwerk MedienKompetenz einen Wegweiser für Schulen, Kindereinrichtungen, Einrichtungen der Jugendarbeit, für Studierende, Auszubildende, Pädagogen, Eltern & Familien sowie Vereinen heraus, dessen Auflage sich großer Beliebtheit erfreut, sodass in diesem Jahr ein Nachdruck erfolgte.

Das Peoples Theater eröffnete den ersten Fachtag im Ostpol mit einer theaterpädagogischen Darstellung und lieferte damit gekonnt den Einstieg in das Thema.

Nach den Begrüßungen durch Stadtrat Paul-Gerhard Weiß und der stellvertretenden Amtsleitung des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis Offenbach, Frau Susanne Meißner, begeisterte Hauptreferent Professor Dr. Daniel Süss aus Zürich am Vormittag die Teilnehmenden mit seinen Ausführungen zum Aufwachsen Jugendlicher in der Mediengesellschaft, den sogenannten „Digital Natives“, den Perspektiven der Mediensozialisierung sowie deren Einfluss auf die Persönlichkeit junger Menschen basierend auf den Grundlagen der #jamesstudie 2016 (analog Jim-Studie in Deutschland, einer Befragung von Schweizer Jugendlichen).

Am Nachmittag ging es mit Kaffee und Kuchen in den Räumlichkeiten des Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums (KJK) in der Sandgasse mit teils theoretischen aber auch praxisbezogenen Workshops weiter:

Phänomene wie "Hate Speech" sind in allen Bereichen der Sozialen Medien unumgänglich vorzufinden, insbesondere auf Plattformen, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Diese werden nicht wenig mit Inhalten konfrontiert, die menschenverachtend, diskreditierend und diskriminierend sind. Raum für den fachlichen Austausch zum Thema Extremistische Diskurse im Internet bot Medienpädagogin Alia Pagin in ihrem Workshop an.

 „Pro Ana“, eine  Bewegung von Mager- beziehungsweise Ess- und Brechsüchtigen im Internet stellte Beate Kremser vom Infocafe aus Neu-Isenburg vor. Bilder in Blogs und Kommunikationsmöglichkeiten in WhatsApp-Gruppen tragen zur Motivation und gegenseitigen Unterstützung bei und erleichtern es „Gleichgesinnte" zu finden, während die Betreiber dieser Seiten kaum Möglichkeiten finden, dem entgegenzuwirken.

Wie ein Digitaler Notfallplan für Schulen und auch die Peer-Education gelingen kann, zeigte Florians Borns von den Digitalen Helden aus Frankfurt in seinem Workshop auf.

Esther Kuhn vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Rhein-Main veranschaulichte in ihrem Workshop den allgegenwärtigen Einfluss medialer Werbung, die das Bild der Wirklichkeit für Kinder und Jugendliche prägen und wie die Spieleindustrie es immer wieder schafft Kostenfallen hinter vermeintlich kostenlosen Online-Games zu verstecken, demonstrierte Christian Beek vom Suchthilfezentrum Wildhof den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in seinem Workshop.

Gut besucht war auch der Vortrag von Florian Schmidt, pro familia Ortsverband Offenbach, zum Thema „Sexualität im Internet und die Bedeutung für Jugendliche“. Im Hinblick auf die Sexualität und die Beziehungsaufnahme zu Gleichaltrigen bietet das Internet Adoleszenten „Schutz“ vor realen Verletzungen, dennoch  können sexuelle Erfahrungen von Jugendlichen im Internet auf die Identitätsentwicklung in unterschiedlicher Weise verunsichernd wirken.

Auch die medienpädagogischen Angebote für einen kreativen Umgang mit dem Internet kamen nicht zu kurz:

Pia Praschma von der Medien-Etage KJK Sandgasse  und Markus Franz vom Jugendkulturbüro KJK Sandgasse präsentierten ideenreiche Möglichkeiten mit Programmen  zur Bildbearbeitung und „Musikmachen“ mit dem Tablet. Nebenbei wurden wichtige Themen wie „Persönlichkeits- und Urheberrechte“,  aufgegriffen und behandelt.

Nach Beendigung der Workshops bestand für alle Teilnehmenden die Möglichkeit mit den Referenten*innen in Kontakt zu treten, sich untereinander auszutauschen sowie weitere Bedarfe und Wünsche mitzuteilen. Spontane  Rückmeldungen zeigten auf, dass mit dem thematisch bezogenen Fachtag der „Zahn der Zeit“ getroffen wurde und Folgeveranstaltungen gewünscht werden. Einen Großteil der Besucher*innen beschäftigt insbesondere das Thema Extremismusprävention, welches im kommenden Jahr in den jeweiligen Institutionen separat aufgegriffen und ausführlicher behandelt werden soll.