Fachtagung zur sexualisierten Gewalt in Frankfurt mit Tagesdokumentation u. Bildergalerie

Sexualisierte Gewalt im Bereich Kinder und Jugendliche, ein sensibles und immer noch tabuisiertes Thema. Was ist zu tun? Was können wir tun? Diesen Fragen gingen ca. 180 Teilnehmende aus Schule, Polizei, Justiz, Beratungsstellen, Sozialarbeit, Jugendhilfe nach auf der Fachtagung „Verhalten-Vorgehen-Vernetzen. Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“ am 22.02.18 in Frankfurt im Haus am Dom.

Sexualisierte Gewalt im Bereich Kinder und Jugendliche, ein sensibles und immer noch tabuisiertes Thema. Was ist zu tun? Was können wir tun? Diesen Fragen gingen ca. 180 Teilnehmende aus Schule, Polizei, Justiz, Beratungsstellen, Sozialarbeit, Jugendhilfe nach auf der Fachtagung „Verhalten-Vorgehen-Vernetzen. Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“ am 22.02.18 in Frankfurt im Haus am Dom. Dass es sich um ein immer noch aktuelles Thema handelt, zeigte nicht nur das große Interesse, - bereits 3 Wochen vor Anmeldeschluss war die Veranstaltung ausgebucht-, sondern wurde auch in den Beiträgen und Workshops deutlich.

Fachtagung 22.02.18 Teilnehmende

Das Schultheater Frankfurt führte mit einer Szene aus dem Theaterstück „TRAU DICH!“ in das Thema ein.

Schultheater Frankfurt
Schultheater Frankfurt

In seinem Grußwort für das Hessische Kultusministerium gab Herr Ministerialdirigent Wulf-Michael Kuntze einen Überblick über die Maßnahmen des Kultusministeriums im Bereich Prävention und Intervention an Schulen. Beispielhaft zu erwähnen ist die Beteiligung an der bundesweiten Initiative des Unabhängigen Beauftragten gegen sex. Missbrauch: „Schule gegen sexuellen Missbrauch“, die Förderung der Umsetzung der bundesweiten Kampagne „Trau Dich!“ durch Erwerb der Rechte und finanzielle Beteiligung sowie die Qualifizierung von Ansprechpersonen für sexuellen Missbrauch an Schulen.

Fachtagung 22.02.18 W.-M- Kuntze ,HKM
Wulf-Michael Kuntze, Hess. Kultusmnisterium

Die Notwendigkeit und Bedeutung der Prävention wurde deutlich in dem nachfolgenden Beitrag von Frau Heike Völger, stellvertretende Leiterin des Arbeitsstabs des Unabhängigen Beauftragen der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Dimension der sexuellen Gewalt im Hellfeld weist ein hohes Fallaufkommen auf. Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer! Die WHO geht von 1 Million betroffenen Kindern und Jugendlichen in Deutschland aus. Anerkannte Studien sprechen von rund 10% der Gesamtbevölkerung. 

Fachtagung 22.02.18 Grußwort Völger
Heike Völger, Arbeitsstelle USBKM

Dass Forschungsbedarf zum Thema sexualisierte Gewalt besteht, wurde in dem Hauptvortrag von Herrn Dr. Heinz Kindler „Prävention, Intervention und Opferschutz bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ deutlich. Ergebnisse zur Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen, zu Risikofaktoren der Viktimisierung sind recht unterschiedlich. Aktuelle Schulstudien wie die „Speak!“ in Hessen und „Schülerwissen“ zeigen: Viktimisierung nimmt im Jugendalter deutlich zu, v.a. bei Mädchen, geht dann vor allem von Gleichaltrigen aus, auch strafrechtlich weniger relevante Formen geraten in den Blick. Als wichtigste kind- und familienbezogene Risikofaktoren für eine Viktimisierung werden distanzierte Fürsorge und geringe elterliche Unterstützung genannt. Der Disclosure sexueller Missbrauch wird erleichtert, wenn a) sich Kinder-und Jugendliche auf Situationen vorbereiten und sie wenigstens teilweise kontrollieren können; b) sexueller Missbrauch Thema ist, aber nicht dramatisiert wird; c) bei Andeutungen nachgefragt, aber nicht massiv gedrängt wird; d) ein unterstützendes Klima geschaffen wird.

Fachtagung 22.02.18 Vortrag Dr.Kindler
Dr. Heinz Kindler, DJI

Dem Vortrag schlossen sich nach einer Mittagspause 7 Workshops zu den folgenden Themen an, die von Moderatoren und Moderatorinnen aus unterschiedlichen Bereichen geleitet wurden: Schule und Jugendhilfe als Kooperationspartner (Holger Specht, inmedio Berlin); Schutzkonzepte in pädagogischen Einrichtungen (Nikola Poitzmann, Angela Koshla-Baryalei, Gewaltprävention und Demokratielernen), Sex. Gewalt in und durch digitale Medien (Dieter Schuchhardt und Ann Kristin Alsoufi, pro familia Ortsverband Frankfurt).; Hilfe für Opfer von sexueller Gewalt (Ulrich Warncke, Landesbüro Weisser Ring Hessen und Karin Wagner, Traumazentrum Frankfurt); Sexuelle Gewalt gegen Jungen (Marc Melcher, Paritätischer Wohlfahrtsverband); Sexualisierte Gewalt unter Kindern und Jugendlichen – schulische Interventionsmöglichkeiten (Barbara Behnen, Wildwasser Gießen e. V.); Ambivalenz von Kindeswohl und Strafverfolgung (Dagmar Freudenberg, Göttingen). In einer Abschlussrunde wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt.

Details zu den Arbeitsergebnissen der Workshops sowie zu den Vorträgen sind einer Tagungsdokumentation zu entnehmen, die hier abrufbar ist. Zur Bildergalerie der Fachtagung geht es hier.