Gewaltpräventive Initiative „Trau dich!“ der BZgA sorgt in Hanau für Begeisterung

Rund 300 Schülerinnen und Schüler waren der Einladung des Staatlichen Schulamtes für den Main-Kinzig-Kreis und der Regionalen Geschäftsstelle Netzwerk gegen Gewalt im Polizeipräsidium Südosthessen gefolgt, um sich dem heiklen Thema des „sexuellen Kindesmissbrauchs“ zu widmen. Ziel von „Trau Dich!“ ist es, den Kindern Grenzverletzungen aufzuzeigen, um sie besser vor Übergriffen zu schützen.

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Kooperationskreis Trau dich! im MKK
v.l.n.r. Roberta Bandel (Lawine e.V.), Sandra Gentsch, Sylvia Ruppel (beide SSA MKK), Manuel Oswald (i.A. BZgA), Anja Wetz, Stephanie Padberg (beide PP SOH), Gerta Rebentisch (fjb), Mustafa Karaca (PP SOH)

Die Berliner Theatergruppe Kompanie Kopfstand verstand es auch in diesem Jahr, alle Beteiligten, von klein bis groß, mit ihren Schauspielkünsten zu begeistern. Im märchenhaft idyllisch gelegenen Hanauer Comoedienhaus kamen am 14. September 2016 Schüler und Schülerinnen der sechsten Klassen aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis in Begleitung ihrer Lehrkräfte voll und ganz auf ihre Kosten. Schon vor Beginn der Theateraufführung war das Engagement der Kinder in Interviews mit den Schauspielern gefragt und so staunten die Kinder nicht schlecht, als sie ihre Aussagen und sich selbst auf Fotos im Rahmen der Aufführung wiederfanden.

Ziel von „Trau Dich!“ ist es, den Kindern Grenzverletzungen aufzuzeigen, um sie besser vor Übergriffen zu schützen. Unerlässlich ist es dabei, über Gefühle zu sprechen und zu lernen, schlechte Gefühle von guten zu unterscheiden. Der ganzheitliche Ansatz der Gewaltpräventionsinitiative beinhaltet nicht nur die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf diesen Tag und das sensible Thema, auch die Information der Eltern und die Fortbildung der Lehrkräfte sind Teil der Initiative. In den Begleitveranstaltungen lernen Eltern und Lehrkräfte, sensibel auf das Thema zu reagieren, Ängste im Umgang damit abzubauen, Signale von Kindern und Jugendlichen einzuordnen und erfahren zudem, wo sie sich im konkreten Fall Beratung und Hilfe holen können. Sie werden dabei von der Fachberatungsstelle Lawine e.V. und den Schulpsychologinnen des Staatlichen Schulamts professionell unterstützt.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen (Stadt und Kreis Offenbach, Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis) wurden im vergangenen Jahr (2015) 103 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik registriert. 120  Kinder sind betroffen, davon neun unter 6 Jahre. Die Täter sind vornehmlich männlich und stammen aus dem sozialen Nahfeld. Im Main-Kreis sind 65 Fälle erfasst, 77 Kinder betroffen, davon vier 4 Kinder unter 6 Jahre. Die Aufklärungsquote liegt bei 80 %. „Der sexuelle Missbrauch ist eine schwerwiegende Straftat und die konsequente Strafverfolgung ist uns nach wie vor, neben der vernetzten und vor allem nachhaltigen Präventionsarbeit, eine wichtige Aufgabe“, so die Vizepräsidentin Anja Wetz vom Polizeipräsidium Südosthessen. Noch immer besteht eine große Scheu auf Verdachtsfälle hinzuweisen aus Angst oder Scham sich einzumischen. Behilflich sein können Migrations-und Opferschutzbeauftragte der Polizei. Sie stehen als  Ansprechpartner zur Verfügung und vermitteln Hilfs- und Beratungsangebote.

Die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Sylvia Ruppel, betont, dass Präventionsarbeit an den Schulen in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis schon seit langer Zeit eine große Rolle spielt. Das Schulamt unterstützt die Schulen im Zuständigkeitsbereich mit einem umfangreichen Fortbildungsangebot  zum Thema Gewaltprävention und Kinderschutz. Der sexuelle Missbrauch als ein Aspekt, der das Kindeswohl gefährden kann, ist Bestandteil einer Qualifizierung für Lehrkräfte, im Rahmen derer bereits 74 sogenannte „Präventionslotsen“ im Main-Kinzig-Kreis und 15 „qualifizierte Ansprechpartner bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung“ in Hanau ausgebildet werden konnten. Die Qualifizierungsveranstaltungen werden von Vertreterinnen der Schulpsychologie des Staatlichen Schulamts in Zusammenarbeit mit Lawine e.V. und der Hanauer Familien- und Jugendberatung durchgeführt. Im Rahmen einer Infomappe steht den Schulen ein Ablaufplan für das Vorgehen bei Kindeswohlgefährdung zur Verfügung, der bei der Einschätzung schwieriger Situationen Handlungssicherheit geben soll. Die Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs „Trau Dich!“ zeigt die wiederholt hervorragende Zusammenarbeit der Netzwerkpartner im Themenbereich Gewaltprävention.

In der Fachberatungsstelle Lawine e.V. hat die Prävention zum verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen einen hohen Stellenwert. Sie ist bemüht, immer wieder für das Thema "sexuelle Gewalt" in der Öffentlichkeit und in pädagogischen Einrichtungen zu sensibilisieren. Seit mittlerweile 25 Jahen hält sie ein umfassendes Präventionsangebot sowie kostenfreie Beratungs- und Therapieangebote vor. Dieses richtet sich an Frauen und Mädchen jeden Alters, Jungen bis 12 Jahre sowie deren Bezugspersonen. Es beinhaltet z.B. Informationsveranstaltungen, Selbstbehauptungskurse, Theateraufführungen in Schulen, Verteilung entsprechender Materialien sowie Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte.

FAZIT

Trau Dich! geht nicht nur unter die Haut. Es beeindruckt neben den kleinen Zuschauern auch die großen. Das Gewaltpräventionsprogramm der BZgA ist hervorragend geeignet, um Schülerinnen und Schülern der 6. Jahrgangsstufe, Lehrkräfte und Eltern das Thema des sexuellen Missbrauchs behutsam und dennoch eindringlich näher zu bringen. Am Schluss sind alle begeistert und wissen um die Hilfe, die ihnen in der Notsituation angeboten wird.

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