Mobbingopfer an Schulen verhindern- Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Mobbing ist ein Thema, das Schulen immer wieder beschäftigt. Liegt ein Fall von Mobbing vor, ist schnelles und nachhaltig wirksames Handeln erforderlich. Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? In einem ganztägigen Workshop erhielten Lehramtsstudierende der Hochschule Gießen Grundkenntnisse zum Thema Mobbing sowie Impulse, Informationen zu Lösungsoptionen der Mobbingprävention und -intervention. Veranstalter waren das Netzwerk gegen Gewalt und das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Gießen.

Jeder sechste 15-jährige Schüler in Deutschland wird regelmäßig Opfer von Mobbing. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle PISA-Studie der OECD.[1]  „Da hilft nur eine Null-Toleranz-Praxis, um deutlich zu machen, dass so etwas nicht akzeptiert wird", fordert der OECD-Direktor Andreas Schleicher.[2]  Wer ist hier gefordert und in welchem Maße? Welche Möglichkeiten der Intervention, aber auch der Mobbingprävention gibt es? Mit dieser Frage setzten sich am 22.04.17 ca. 80  Lehramtsstudierende aller Schulformen der Universität Gießen in einer eintägigen Veranstaltung in Workshops auseinander, eine Arbeitsgruppe richtete sich an die verantwortlichen Lehrbeauftragten. Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch Frau Reinhardt vom Zentrum für Lehrerbildung der Universität Gießen. Es ist bereits das vierte Mal, dass das Netzwerk gegen Gewalt (Regionale Geschäftsstelle Mittelhessen) zusammen mit der Hochschule und dem Institut Impuls aus Marburg diese Fortbildung für Lehramtsstudierende anbietet. Die positiven Rückmeldungen auf die bisherigen Veranstaltungen zeigten einen Bedarf  an einer Schulung zu dieser Thematik insbesondere an Möglichkeiten in der Mobbingprävention und –intervention.

 Alle Studierenden hatten ihr Schulpraktikum absolviert und vereinzelt auch Erfahrungen mit dem Phänomen Mobbing gemacht. Aber wie erkennt man Mobbing? [3] Wann kann man  von Mobbing sprechen? Mit diesen Grundfragen startete der Workshop. Die Teilnehmenden lernten eine „Mobbingbrille“[4] aufzusetzen und Einblick in das Mobbingsystem zu gewinnen. In Rollenspielen konnten die Studierenden erfahren, welche Faktoren dieses System am Laufen halten.[5] Doch wie lässt sich dieser Teufelskreis unterbrechen? Als Möglichkeiten der Intervention lernten die Studierenden den „No Blame Approach“- ein Ansatz, der auf Schulzuweisung verzichtet[6] sowie das „Gegen-Gewalt–Konzept“ von Mustafa Janaan kennen.[7] [8] Beiden ist vor allem gemeinsam, dass sie Schülerinnen und Schüler der betroffenen Klasse in das Finden und Durchführen von Lösungen miteinbeziehen.

Der zweite Teil des Workshops hatte den Fokus auf die  Möglichkeiten der Mobbingprävention gerichtet. Eine notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Maßnahmen ist die Teambildung in einer Klasse wichtig, um Vorurteilen, Konflikten vorzubeugen sowie die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt zu fördern[9]. Um eine langfristige und wirksame Mobbingprävention zu erzielen, sind Maßnahmen nicht nur auf der Klassenebene, sondern auch innerhalb der Schule erforderlich. Dazu zählen vor allem eine demokratisch geprägte Schulkultur, die Partizipation der Schülerinnen und Schüler sowie ein Konzept zum Umgang mit Konflikten und auch Mobbing. Diese und weitere Möglichkeiten waren in einem Präventionsbaum aufgeführt. Den Präventionsbaum zusammen mit einem Handout und der Mobbingbroschüre erhielten die Studierenden zum Abschluss des Workshops.

[1] https://www.tagesschau.de/inland/pisa-studie-109.html

[2]  A.a.O.

[3] Bildergalerie, Bild 4

[4] A.a.O. Bild 5

[5] A.a.O. Bild 7,10

[6] A.a.O. Bild 13

[7] Janaan, M. (2015): Das Anti-Mobbing-Buch. 4. Aufl., Weinheim/Basel: Beltz Verlag. S. 147 ff.

[8] Bildergalerie, Bild 14

[9] A.a.Ö., Bild 15

Hessen-Navigator

Wie können wir Ihnen helfen? Geben Sie einen Suchbegriff ein.