Veranstaltung "Sexualisierte Gewalt im Kontext mit unbegleiteten männlichen Ausländern"

Erfolgreiche Veranstaltungen im Bürgerhaus Taunusstein-Hahn und in der Josef-Kohlmaier-Halle in Limburg zur Fortbildung von haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Kontext "Flüchlinge".

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Vortrag Frau Haqani
Vortrag Frau Haqani

Durch die traumatischen Gewalterfahrungen, die die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in ihrem Heimatland oder auf der Flucht gemacht haben, sind sie besonders starken Belastungen ausgesetzt.
Diese bedrückende Situation wird durch die Anforderung des für sie fremden Landes noch intensiviert.

Dies stellt deutlich erhöhte Anforderungen an die pädagogischen und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die die Zielgruppe betreuen.
Um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge optimal unterstützen zu können, müssen die betreuenden Fachkräfte über spezifische Kenntnisse verfügen.

Das Netzwerk gegen Gewalt und die Migrationsbeauftragten des Polizeipräsidiums Westhessen organisierten daher im Bürgerhaus Taunusstein-Hahn und in der Josef-Kohlmaier-Halle in Limburg eine Fortbildungsveranstaltung für haupt- und ehrenamtlich Tätige sowie alle Interessierte. In dieser wurden die Grenzen der Ehrenamtlichkeit aufgezeigt sowie fachliche Interventionen nachvollziehbar dargestellt.

Vortrag Frau Felden
Vortrag Frau Felden

Dass mit dem Titel der Veranstaltung ein aktuelles Thema angesprochen wurde, zeigte die große Teilnehmerzahl. In Taunusstein waren es ca. 55 Personen und in Limburg ca. 120 Personen, die der Einladung folgten und großes Interesse an den Inhalten der Veranstaltung zeigten, die durch Claudia Felden, Leiterin der Regionalen Geschäftsstelle des Netzwerkes gegen Gewalt im Polizeipräsidium Westhessen moderiert wurde.

Herr Necati Benli, Landesmigrationsbeauftragter im HLKA, war der erste Referent. In seinem Vortrag ging er darauf ein, was für gesellschaftliche Folgen mit Migrationsprozessen einhergehen  und inwiefern die Herkunftskultur das Handeln von Migranten weiterhin bestimmt.
Er stellte unter anderem heraus, dass es keine kriminelle ethnische Kultur oder Religion gibt, sondern dass das Handeln des Einzelnen zu beurteilen sei, ohne die Ursachen in der Herkunftskultur zu suchen.

Vortrag Herr Benli
Vortrag Herr Benli

Die nächste Referentin war Frau Hanifa Haqani, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Rumi imPuls e.V.
Sie berichtete über die Rolle der Frau und das Verständnis von Sexualität am Beispiel von afghanischen Männern in Afghanistan und die daraus resultierenden Herausforderungen für unsere Gesellschaft.

Sie stellte dar, dass afghanische Jungen und Männer, die seit 20 Jahren im Iran in Flüchtlingsunterkünften gelebt haben, keinerlei Sozialisation in unserem Sinne erfahren haben.

Flüchtlinge aus Krisenregionen, in denen bereits Normen der Zivilisation gebrochen wurden, haben erst Recht Probleme in der Integration in unserer Normenordnung.

Ein junger Mann, der aus einer Gesellschaft kommt, in der Frauen keine Rechte haben bzw. als Menschen zweiter/dritter Klasse betrachtet werden, wandert in eine Gesellschaft ein, in der ausgerechnet Frauen oftmals sozial-karitative Aufgaben wahrnehmen und er sie als Ansprechperson oder als Autorität beachten soll.

Intensiv wurde danach diskutiert, welche Probleme bzw. auch Gefahren sich damit für die weiblichen betreuenden Fachkräfte dieser  unbegleiteten männlichen Ausländer ergeben.

Die Migrationsbeauftragten des Polizeipräsidiums Westhessen, Herr Matthias Frontczak und Herr Abdellah Amrouch, rundeten die informative Veranstaltung durch Vorstellung ihrer Aufgaben sowie das Aufzeigen der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Institutionen anhand eines Falles aus der Praxis ab.

Vortrag Herrn Frontczak und Amrouch
Vortrag Herrn Frontczak und Amrouch

Auf Grund des großen Interesses an der Veranstaltung wird diese im kommenden Jahr auch im Hochtaunuskreis, im Main-Taunus-Kreis und in Wiesbaden angeboten werden.

20.11.2017 | Text: Netzwerk gegen Gewalt Westhessen | Claudia Felden