Kinder und Jugendliche als Opfer und Zeugen von Häuslicher Gewalt

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Häusliche Gewalt

Zu diesem Thema fanden am 11. und 12. November 2020 die Online-Fachnachmittage unter der Federführung des Staatlichen Schulamtes Groß-Gerau und der Regionalen Geschäftsstelle Südhessen des Netzwerks gegen Gewalt mit Unterstützung der Opferschutzkoordinatorin und dem Jugendkoordinator der Polizeidirektion Groß-Gerau und des Kreises Groß-Gerau statt.

Mit 140 Anmeldungen war die Veranstaltung, die über die Online-Plattform BigBlueButton stattfand, bereits im Vorfeld ausgebucht.

Teilnehmende kamen aus den Bereichen Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Beratungsstellen sowie der Polizei.

Gewalt in der Partnerschaft ist meist kein einmaliges Ereignis, sondern oft ein jahrelang, andauernder Kreislauf von Gewalt, Versöhnung, scheinbarer Ruhe und erneuter Gewalt. Das kann schwerwiegende psychische Gesundheitsbelastungen verursachen. Dies gilt insbesondere für Kinder.

50 bis 70 Prozent der Kinder, die aggressive Situationen in der Familie erleben, haben Traumafolgen. Sie werden zudem auch achtmal häufiger selbst misshandelt als Kinder aus Familien ohne Gewalt zwischen den Eltern. Diese Zahlen legte Frau Dr. Petra Kriependorf, Leiterin der Psychotraumatologie des BG-Klinikum Duisburg in ihrem hochspannenden Fachvortrag dar.

Sie zeigte die wesentlichen psychischen Merkmale posttraumatischer Belastungen in Familien auf, sprach über Depression und Dissoziation. Verhaltensmuster wie Schweigen, Abspaltung und Vermeidung führen dazu, dass Eltern und Kinder bestimmte Rollen einnehmen, die oft in einer Umkehrung des normalen Eltern-Kind-Verhältnisses münden. Folgen dieser Entwicklung der Kinder können Kriminalität, Sucht oder Schulversagen sein. Die Psychotherapeutin gab auch zahlreiche Hinweise, wie den Opfern geholfen werden kann. Wichtig ist es dabei, die Betroffenen vor den Tätern zu schützen, ihre Isolation zu durchbrechen und ihnen zu ermöglichen, sichere Bindungen zu erfahren und die traumatischen Erlebnisse aufarbeiten zu können.

Der Tag wurde abgerundet mit dem Film „Wutmann“. Ein sehr einfühlsamer Film über häusliche Gewalt und das Erleben von Kindern mit anschließender Diskussionsrunde, angeleitet durch die Inhaberin des Filmverlags Methode-Film, Frau Dr. Barbara Kamp.

Der zweite Fachnachmittag startete mit einem Vortrag zur Gesprächsführung. Scham über die Geschehnisse und Loyalität zur Familie halten Kinder oft davon ab, sich Außenstehenden anzuvertrauen. Dipl. Psychologe Peter Lenz zeigte durch den Perspektivenwechsel zwischen Hilfeanbietenden und betroffenen Kindern Techniken und Möglichkeiten auf für eine gelingende Gesprächsführung.

Abschließend wurde durch die Leiterin der Beratungsstelle, Frau Etteldorf und der Teamleiterin des ASD des Jugendamtes Groß-Gerau, Frau Meguin das örtliche Hilfe- und Unterstützungssystem vorgestellt.

Es war eine durchaus gelungene Veranstaltung mit fachlich hochkompetenten Referent*innen, wie die vielen positiven Rückmeldungen am Ende des Tages zeigten.

Text: Martina Schmiegelt, Netzwerk gegen Gewalt,

Regionale Geschäftsstelle Südhessen

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