05.11.2019, Frankfurt, Haus am Dom

Fachtag "Sexualisierte Gewalt gegen Jungen"

Uhrzeit: 
Dienstag, 05.11.2019 von 09:00 bis 16:30 Uhr
Nicht nur weibliche, auch männliche Kinder und Jugendliche werden Opfer von sexualisierter Gewalt. Wie lässt sich eine geschlechterbezogene Präventionsarbeit für Jungen* gestalten? Die Fachtagung will für die Problematik sensibilisieren, Optionen zum Umgang aufzeigen und besprechen sowie Möglichkeiten zur Vernetzung bieten.

Mit dem Bekanntwerden der zahlreichen sexualisierten Übergriffe auf Jungen in Einrichtungen im Jahr 2010 wurde öffentlich, was schon lange in Fachkreisen bekannt war: Nicht nur weibliche, auch männliche Kinder und Jugendliche werden Opfer von sexualisierter Gewalt. Es ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen. Eine solche Tat kann, wie auch bei weiblichen Opfern, schwerwiegendste Folgen für das weitere Leben mit sich bringen, es negativ beeinträchtigen.
Für die Problematik der männlichen Betroffenen zu sensibilisieren, sowie auch öffentliches Interesse zu erzielen, gestaltet sich schwierig. Es existieren immer noch Vorurteile und stereotype Bilder.
Wie lässt sich eine geschlechterbezogene Präventionsarbeit für Jungen* gestalten? Diese wichtige Frage gewinnt in der pädagogischen Arbeit erst allmählich an Aufmerksamkeit. Bedarf besteht nicht nur an Fortbildungen für Fachkräfte, sondern auch an Unterstützungs- und Hilfemaßnahmen für die von sexualisierter Gewalt männlich betroffene Kinder und Jugendliche.
Die Fachtagung will für die Problematik sensibilisieren, Optionen zum Umgang aufzeigen und besprechen sowie Möglichkeiten zur Vernetzung bieten.

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Programm:

09.00

Ankommen und Abmeldung

10.00-10.10

Intro: „Mein Körper gehört mir“?

Theater pädagogische Werkstatt

10.10-10.20

Begrüßung

Konstanze Schmidt, zentrale Geschäftsstelle Netzwerk gegen Gewalt

10.20-10.35

Grußwort - Hessisches Kultusministerium angefragt

10.35-11.35

Sexualisierte Gewalt gegen männliche* Kinder und Jugendliche – Aufdeckung und Prävention fördern, Jungen* unterstützen!

Bernard  Könnecke, dissens Berlin

11.35-12.35

Retten, löschen, bergen, schützen. Prävention sexualisierter Gewalt in der Jugendfeuerwehr

Helena Urdelowicz, hessische Jugendfeuerwehr

12.35-13.35

Mittagspause

13.35-16.00

4 Workshops mit integrierter Kaffeepause

WS 1: Jungen*arbeit als Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Jungen, Marc Melcher, Fokus Jungs-Fachstelle für Jungenarbeit in Hessen; Uli Gieles, Hanauer Hilfe

WS 2: Gegen Gewalt arbeiten: Prävention sexualisierter Gewalt an Jungen*, Michael Drogand-Strud, LAG Jungenarbeit NRW

WS 3: Ermittlungen gegen Missbrauchstäter beim Anfangsverdacht von durch den Täter selbst erstellten kinderpornographischen Schriften zum Nachteil von männlichen Kindern – Der Weg vom aufgefundenen Missbrauchsbild bis zum Abschluss des Verfahrens, Andrea Güde, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität

WS 4: Beratung für Jungen als Opfer von sexueller Gewalt, Barbara Behnen, Wildwasser Gießen e.V.

16.00-16.25

Austausch  (gemischte Gruppentische) zu den Workshops

16.30

Ende der Veranstaltung

Workshop 1: Jungen*arbeit als Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Jungen
Im Workshop wird es darum gehen, wie stark tradierte Geschlechterrollen heute noch wirken und wie diese im Kontext zu sexueller Gewalt an Jungen stehen. Welche Sensibilität wird von Fachkräften in der pädagogischen Arbeit benötigt, um Bedürftigkeit von Jungen* wahrzunehmen? Wie können Konzepte aus der Jungen*arbeit dazu beitragen? -Vorstellung der Hanauer Hilfe und deren Beratungsangebot für Jungen und Männer.
Workshopleitung:
Marc Melcher, Bildungsreferent beim Paritätischen Bildungswerk Bundesverband e.V. und Fachreferent von Fokus Jungs- Fachstelle für Jungenarbeit in Hessen
Uli Gieles, Hanauer Hilfe e.V. Projekt: ‚Beratung von Jungen und Männer als Opfer (sexualisierter) Gewalt.

Workshop 2: Gegen Gewalt arbeiten: Prävention sexualisierter Gewalt an Jungen*
Der Workshop vermittelt Einblicke in die Arbeitsweise der Prävention sexualisierter Gewalt, wie der Referent dies mit 11-13jährigen Jungen* in Minden durchführt. Methodisch wird u.a. mit Bilderbüchern, Comicfiguren, Gefühlsmonstern oder Filmischen Szenen gearbeitet; inhaltlich geht es um die Frage, was sexualisierte Gewalt ist, ob und warum Jungen* betroffen sind, welche Täterstrategien die Jungen* kennen müssen und warum so viele Jungen schweigen. Es geht in dem Workshop dann auch um die Frage, wie kann ich zuhören, was braucht ein betroffener Junge*, was tue ich bei einem Verdacht?
Workshopleitung:
Michael Drogand –Strud, LAG Jungenarbeit NRW


Workshop 3: Ermittlungen gegen Missbrauchstäter beim Anfangsverdacht von durch den Täter selbst erstellten kinderpornographischen Schriften zum Nachteil von männlichen Kindern – Der Weg vom aufgefundenen Missbrauchsbild bis zum Abschluss des Verfahrens.
Ziel des Workshops ist die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen zum Erkennen von Realmissbräuchen anhand von Bildaufnahmen und die adäquate Bearbeitung vonsolchen Fallgestaltungen unter Berücksichtigung der Besonderheiten bei männlichen Geschädigten. Einleitend soll das Ermittlungsverfahren Ernte, welches als der „Missbrauchsfall von Staufen“bekannt wurde, dargestellt werden, welches bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität- seinen Anfang nahm und dann zur Verurteilung von Missbrauchstätern im In- und Ausland führte. An praktischen Fallbeispielen sowie am Einleitungsfall sollen die folgenden Probleme angesprochen werden:
Abgrenzung zu den durch Kinder selbst erstellten Schriften
·Notwendige weitere Ermittlungshandlungen
·Besondere Probleme bei Konstellationen im sog. Darknet, bei sog. Echtheitsverifizierungen etc.
·Vernehmung des Tatopfers: polizeiliche Videovernehmung vs. Videovernehmung vor dem Ermittlungsrichter/der Ermittlungsrichterin
·Die besondere Schwierigkeit bei der Vernehmung männlicher Geschädigter (Scharmproblematik, Geschlechterorientierung etc.)
·Rechtliche Einordnungen der in Betracht kommenden Tathandlungen zum Nachteil der Kinder
·Beweisführung im Verfahren (besondere Probleme bspw. der Missbrauch in Verbreitungsabsicht nach § 176 a Abs. 3 StGB)
Im Rahmen einer abschließenden Diskussion sollen Lösungsansätze besprochen werden.
Workshopleitung
Andrea Güde, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität

Workshop 4:Beratung für Jungen als Opfer von sexueller Gewalt
Sexueller Missbrauch vermittelt Geringschätzung für die andere Person, gerade in ihrer Geschlechtlichkeit. Jungen, die von Jungen oder Männern missbraucht wurden, haben Sorge, ihre Peergroup zu verlieren, wenn sie einen dominanten anderen Jungen oder Mann bezichtigen. Demütigende sexuelle Handlungen machen Jungen keine Freude, was dem männlichen Imperativ widerspricht, dass sie Sexualität immer und in jeder Form wollen müssen. Infolgedessen fällt es Jungen schwer, ihre tatsächlichen Gefühle wahr zu nehmen und auszudrücken. Jungen lernen generell früh und oft konsequent, dass sie Kränkungen ignorieren oder ihnen mit Gewalt begegnen sollen, Hilfe zu holen erscheint ihnen als solches schon als Niederlage. Selbst Erwachsene vermitteln Jungen oft, dass sie selbst für ihren Schutz verantwortlich sind.
Andererseits sorgen sich Erwachsene oft, dass sexueller Missbrauch bei Jungen Aggressivität und/ oder Dysfunktionalität nach sich zieht. Dies äußerst sich im Vergleich zu Mädchen oft in intensiverer Nachbetreuung männlicher Opfer. Hiermit wird zugleich eine der Sache unangemessene Unterscheidung zwischen den Geschlechtern kommuniziert.
Jungen brauchen pädagogische Fachkräfte, die diese geschlechtsspezifischen Zuschreibungen und Einengungen präventiv im Allgemeinen und spezifisch im Fall eines betroffenen Jungen in Frage stellen und wieder den Raum geben, vielseitig zu sein. Sie brauchen Fachkräfte, die ihren Schutz sicherstellen und mit der Klasse/Gruppe umgehen können. Der Workshop vermittelt Erfahrungen aus der Arbeit mit betroffenen Jungen und deren Familien und die dringendsten Kompetenzen für pädagogische Fachkräfte nach einer Aufdeckung.
Workshopleitung
Barbara Behnen, Wildwasser Gießen e.V.

Das Wichtigste zur Veranstaltung

05.11.2019
Uhrzeit: Dienstag, 05.11.2019 von 09:00 bis 16:30 Uhr
Haus am Dom
Domplatz 3
60311 Frankfurt
Deutschland