20.09.2022, online

AUSGEBUCHT - Raus aus der Tabuzone - Onlinefachtag zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt im schulischen Kontext

Uhrzeit: 
09:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Fachtag der Staatlichen Schulämter der Stadt Frankfurt am Main, des Main-Kinzig-Kreises, des Landkreises Offenbach und der Stadt Offenbach am Main in Kooperation mit dem Netzwerk gegen Gewalt. Zielgruppe sind Ansprechpersonen zur Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen, an Schulleitungen sowie Fachkräfte, die im Umfeld Schule mit diesem Themenkomplex befasst sind sowie alle Interessierte.

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Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt

Erwachsene, Jugendliche und Kinder bewegen sich immer mehr im Internet. Sie spielen Online-Games, tauschen sich aus und posten Bilder. Das Internet hat schon längst Einzug in unseren Alltag gefunden und somit auch in den Entwicklungsprozess der Kinder und Jugendlichen. Entwicklungsspezifische Erfahrungen, welche vor 50 Jahren noch im analogen Raum gemacht wurden, finden nun im digitalen Raum statt. Sie suchen Kontakt zu Gleichaltrigen und probieren sich hinsichtlich ihrer Wirkung auf andere aus. Leider sind mit den digitalen Medien auch Gefahren verbunden: Das Anbahnen zum Zwecke, die Kinder oder Jugendlichen zu sexuellen Handlungen zu bewegen und die Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie. Aber auch im analogen Raum, außerhalb des Internets, finden Grenzüberschreitungen im sexualisierten Kontext statt. Woran erkenne ich, dass ein Kind betroffen ist, wie gehe mit diesem um und an wen kann ich mich im Verdachtsfall wenden? Wie kann ein geeignetes Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt an der Schule erarbeitet und implementiert werden? Wie kann eine Intervention bei jugendlichen Tätern an der Schule gelingen?
Mit diesem Fachtag möchten wir die Handlungssicherheit der Teilnehmer erhöhen, sie hinsichtlich des Themenfeldes sexualisierte Gewalt sensibilisieren und ihnen Tipps für präventive Maßnahme geben.

Beginnen wird der Fachtag mit zwei Vorträgen.

Frau Heike Völger, Referatsleiterin Prävention, Forschung, Nationaler Rat im Arbeitsstab der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, wird in ihrer Präsentation "Schulische Konzepte für Schutz und Hilfe bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - wie kann das gelingen?"  die Notwendigkeit und praktische Umsetzbarkeit von Schutzkonzepten im schulischen Kontext erörtern. 

Frau Heike Vögler ist Leiterin des Referats Prävention, Forschung, Nationaler Rat im Arbeitsstab der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Im Anschluss folgt Herr Prof. Dr. Daniel Hajok mit seinem Vortrag "Sexualisiertes Austauschhandeln und sexuelle Gewalt: Empirische Fakten und Präventionsmöglichkeiten"
Dieser Thematisiert den frühen Zugang zum Internet und den damit sich ergebenden Einfluss auf die sexuelle Entwicklung junger Menschen. Einerseits bieten sich ihnen viele Möglichkeiten zur sexuellen (Selbst-)Erkundung, Orientierung und Aufklärung, andererseits etablieren nicht wenige schon zu Beginn des Jugendalters riskanten Austauschformen wie Sexting. Es werden immer mehr sexualisierte Grenzüberschreitungen unter und Grooming-Attacken gegenüber Heranwachsenden beobachtet. Der Vortrag referiert belastbare Zahlen zur Verbreitung und den Erfahrungen unter Schülerinnen und Schülern, skizziert die Perspektiven des gesetzlichen und erzieherischen Schutzes und stellt Konzepte und Materialien zur Prävention vor.

Prof. Dr. Daniel Hajok ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und neue Medien (AKJM) und Honorarprofessor an der Universität Erfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen seit 25 Jahren im Kinder- und Jugendmedienschutz sowie in der Erforschung von Medienaneignungsprozessen. Mit unzähligen Vorträgen, Workshops und Fortbildungsangeboten sowie hunderten Fachpublikationen hat er sich in den letzten Jahren vor allem für die Umsetzung der an Teilhabe, Schutz und Förderung orientierten digitalen Rechte von Kindern und Jugendlichen engagiert.

Am Nachmittag werden zwei Workshoprunden stattfinden. Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung an, welchen Workshop Sie in Runde 1 und Runde 2 besuchen möchten. Bitte vermerken Sie dort auch die Alternative, falls aus organisatorischen Gründen eine Umbuchung erfolgen muss.

Es stehen folgende Workshops zur Auswahl:

Workshop 1:
Disclosure – Wie können von sexualisierter Gewalt betroffene Jugendliche und gleichaltrige Peers unterstützt werden
Disclosure ist der Prozess der Offenlegung von sexualisierten Gewalterfahrungen und die Rolle von gleichaltrigen Jugendlichen. Vorstellung eines Präventionsansatzes für Schulen zur Unterstützung von Jugendlichen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind/waren. Referentin: Christa Klose, Lawine e.V.


Workshop 2:
Digitale Gewalt
Der Alltag ist zunehmend geprägt von digitalen Medien. Neben der Vielzahl an praktischen und schönen Möglichkeiten zur Kommunikation besteht aber auch die Möglichkeit zum Missbrauch. Stark sexualisierte Inhalte finden sich auf fast jeder Plattform. Was ist dabei noch normal? Sexting ohne Einverständnis und Cyber Grooming sind digitale Gewaltphänomene, die Jugendliche im Netz häufig begegnen. Wir diskutieren: Welche Formen der sexuellen Gewalt im Netz gibt es? Wie sehen die rechtlichen Aspekte aus? Wann sollte ich die Polizei einschalten und was kann ich selber lösen. Was kann ich präventiv tun?
Referentin: Beate Kremser, Jugend- und Sozialamt Frankfurt, Präventiver Jugendschutz, Medienpädagogik und Jugendmedienschutz


Workshop 3:
Partizipation in Schutzkonzept- entwicklungsprozessen
Ein gemeinsam entwickeltes und konsensiertes Schutzkonzept erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schutzkonzept nicht zum Papiertiger wird, sondern gelebt wird. In diesem Angebot geht es um erste Impulse, wie alle in der Schulgemeinde - Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte, Kinder und Jugendliche, Eltern, Hausmeister*innen, Sekretär*innen etc. - in den Prozess der Schutzkonzeptentwicklung mit eingebunden werden können.
Referentin: Nikola Poitzmann, HKM-Projekt, Gewaltprävention und Demokratielernen


Workshop 4:
Umgang mit sexuellen Übergriffen im Kontext Schule Handlungssicherheit – ganz praktisch
Referentinnen: Monika Behrens u. Anke Bäumker, Beratungsstelle „Finger Weg“, Kinderschutzbund Westkreis Offenbach, Beratungsstelle „Halte.Punkt“, ProFamilia Offenbach


Workshop 5:
Jugendliche als Täter - Täterarbeit
Werden sexuelle Übergriffe durch Jugendliche an Mitschüler*innen bekannt, stellt sich für Lehrer*innen die Frage nach einer angemessenen Intervention im schulischen Kontext. Anhand eines Fallbeispiels (Peer to Peer Übergriff) werden mit den Teilnehmenden konkrete Umsetzungsschritte zur Intervention erarbeitet. Schnittstellen zu Jugendamt, Schulsozialarbeit etc. werden dabei berücksichtigt. Zudem werden grundlegende Informationen zur sexuellen Übergriffigkeit durch Jugendliche vermittelt.
Referentin: Dr. Ingrid Kaiser, LiebigNeun, Wildwasser Akademie Gießen

Workshop 6:
Wege zur Polizei und kindgerechte Justiz in einem Childhood-Haus
Sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche, ob digital, verbal oder körperlich, stellen überwiegend Straftaten dar. Nicht jeder Sachverhalt wird aus unterschiedlichsten Gründen der Polizei gemeldet. Der Workshop soll hierauf eingehen und vermitteln, wann und warum die Einbindung der Polizei richtig und wichtig ist, sowie Ansprechpartner benennen und den Ablauf eines Strafverfahrens erläutern.
Wenn der Polizei z.B. ein sexueller Übergriff gemeldet wird und ein Strafverfahren eingeleitet wird, werden betroffene Kinder/Jugendliche im strafjuristischen Kontext zu Zeugen. Oftmals ist die Aussage von Zeugen alleiniges „Beweismittel“ und somit für das Ermittlungsverfahren von großer Bedeutung. Eine Aussage zu tätigen kann jedoch eine Belastung sein und hier setzt das Konzept der sog. Childhood-Häuser an, in welchem aus Sicht des Kindes / des Jugendlichen her gedacht wird.
Anhand des entstehenden Childhood-Hauses am Standort Frankfurt wird das Konzept an sich, die Ausgestaltung in Deutschland bzw. Frankfurt sowie eine kindgerechte Ermittlungsarbeit aus polizeilicher Sicht dargestellt.
Referentin: Alexandra Roth, Polizeipräsidium Frankfurt am Main
Das Childhood-Haus ist eine kinderfreundliche, multidisziplinäre und behördenübergreifende ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Opfer oder Zeugen von sexualisierter und/oder körperlicher Gewalt geworden sind. Quelle: Childhood-Haus Foundation Deutschland.

Die Teilnahme am Fachtag ist für Sie kostenlos. Anmelden können Sie sich bis zum 31.08.2022 hier.

Bitte beachten Sie, dass Ihre Daten zum Zwecke der Durchführung der Veranstaltung an Kooperationspartner weitergegeben werden können.

Das Wichtigste zur Veranstaltung

Format: Online
20.09.2022
09:00 Uhr bis 16:30 Uhr

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